"Das Leben mancher Menschen bildet einen vollkommenen Kreis. Das von anderen nimmt Formen an, die wir nicht vorhersehen und nicht immer verstehen werden. Der Verlust ist ein Teil meiner Reise gewesen. Er hat mir aber auch gezeigt, was kostbar ist. Das mir auch diese Liebe gezeigt, für die ich auf ewig dankbar sein werde."                 (aus "Message in a bottle")

"Sterben war für mich immer etwas, das andere Menschen betraf. Es würde nicht jemandem zustoßen, den ich liebe"... Denken wir nicht so? Und wenn der Tod dann in unser Leben einbricht, ist es fast unmöglich, dies zu fassen, die Realität der Situation zu akzeptieren, wir fühlen uns von dem abgeschnitten, was wir immer für wahr gehalten haben. Wie können wir jemandem erklären, was es bedeutet, jeden morgen mit dem Gefühl aufzuwachen, in einem Alptraum zu leben - ein Alptraum, der niemals endet, aus dem es kein Erwachen, kein erlösendes Erwachen gibt..."Das Schreckliche, das dir passiert ist, ist wahr. Es ist nicht erfunden, es ist kein Irrtum"....Wie sollen wir das vermitteln?

   "Manchmal scheint die ganze Welt entvölkert zu sein, wenn ein einziger Mensch fehlt." 

                                                                                        (Lamartine)

 

 

Kindergrab auf dem Friedhof in Prerow (Darß)

 

Ich kam nicht mehr zurecht in dieser Welt, die zu einem verwirrenden, chaotischen Ort wurde,  dieser Gesellschaft, in der die Trauer keinen Platz hat. Häufig ließ ich in meinen Gedanken eine Gesellschaft entstehen, die den Trauernden mit Rücksicht und Respekt begegnet. Die Ausflüge ins "normale Leben" waren mir eine Qual: es gab keine Räume der Stille, wo immer ich hinging brüllte mir laute Musik entgegen, das Gesicht der fun-Gesellschaft war wie eine lachende Fratze, die mich erschreckte und mich oft mutlos und sprachlos zurück in meine Stille flüchten ließ. Ich fühlte mich ausgegrenzt und niemand war da, der mir sagen konnte, wie man mit einer solch unendlich tiefen Erschütterung leben kann. Ich hüllte mich in meinen Kokon aus Trauer und Stille, wand mich der Natur zu, der Lyrik, der Sprache der Stille. 

Ich begann im Internet zu suchen, hoffte dort Rat, Hilfe und  Unterstützung  zu finden. Vergeblich. Ich wollte mich keiner "Betroffenengruppe" anschließen, eine solche Gruppe war mir zu nah. Ich wollte die Individualität meiner eigenen Trauer leben und erleben und wußte auf eine Art, daß man nur in der Stille und Einsamkeit des eigenen Selbst aus diesem Leid herausfinden kann. Ich hatte mich vom "normalen Leben" völlig zurückgezogen, lebte in meiner Welt der Trauer und suchte nach einer Verbindung zur Welt und das Internet erschien mir  als eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Ich wollte schreiben, nicht sprechen über Florian's Tod, ich mußte zunächst  Worte finden, das Unfaßbare ausdrücken zu lernen.

 

  "Der Mensch besitzt eine Seele, die unvergänglich ist.

                 Sie wird in Ewigkeit nicht sterben. Der Tod ist nur ein

                 trennender Schleier zwischen zwei Welten. Wer aber eine

                 Seele mit ewiger Liebe liebt, der zerreißt den Schleier

                 und vereinigt sich mit ihr"...

                   Said Akl / "Die Seele nach dem Tod"

 

Es war wie ein Geschenk, eines Tages eine Mutter zu finden, die ihr Kind auf die gleiche Weise wie ich Florian verloren hatte. Wir schreiben uns und ich bin ihr so dankbar für die liebevolle und geduldige Begleitung! Endlich kann ich erfahren, was es heißt, wenn jemand um mich weiß und diese Erfahrung hat mir Mut gemacht, meine eigene homepage zu erstellen und mich mit meinem Schicksal an andere Menschen zu wenden, sie entstand aus dem Wunsch, mein Schicksal zu teilen, aus dem Wissen daß es so viele Menschen gibt, die um den Verlust eines anderen geliebten Menschen trauern. Ich selbst fühlte mich oft so allein gelassen, allein gelassen deshalb, weil es niemanden gab, der um mich wußte. Die Menschen versuchten, zu "erahnen", was ich durchlebte, nur die Mutigen, viele zogen sich hilflos zurück, es wurde stiller um uns, Hans-Jürgen, meinen Mann, und mich. 

Ich möchte mit dieser Seite ein Forum bieten für Menschen, die trauern, vor allem für Eltern, die ihr Kind verloren haben, für junge Menschen, die ihren Partner verloren und nun mit diesem unermesslichen Schmerz leben müssen. Ich möchte, daß wir um einander wissen! Ich möchte lernen von denen, die weiter sind, die weiser sind als ich.

Ich möchte Anregungen geben, Gedichte, Texte, die mir halfen, die mich über viele Tage und Wochen trugen und weiterhin tragen und ich erhoffe mir Anregung und Trost von denen, die wiederum "weiter" sind und eigene Wege beschritten haben, die sie am Leben hielten.

"Die Liebe, die mich mit Florian verband, war ein Geschenk. Ich habe jetzt eine schwere Last zu tragen, doch ich werde sie tragen und mich immer, wenn es nötig ist, daran erinnern, daß die Alternative wäre, auf der Welt zu sein, ohne diese besondere Beziehung gekannt zu haben. Der seelische Schmerz, den ich durchgemacht habe und der mich immer wieder erfaßt, steht für die Liebe, die der größte Reichtum meines Lebens war und immer noch ist". (Angelehnt an Carol Staudacher, Meditationsführer für Frauen "Tage der Trauer, Tage der Heilung" und "Ich habe entdeckt, daß ich Kraft und Geduld und Ausdauer habe. Ich weiß, daß ich eine Quelle der Weisheit besitze, die für den Rest meines Lebens in mir sein wird und die mir jederzeit zur Verfügung steht."

Gabriele Gérard

So fern und doch so nah,
wie sich das weite Meer
und der endlose Himmel sind,
wenn sie am Horizont
ineinanderzufließen scheinen,
so eng verbunden
und doch so weit entfernt
sind Diesseits und Jenseits,
sichtbare und unsichtbare Welt.
So fern und doch so nah
Sind die Menschen,
die uns verlassen mußten
und doch immer zu uns gehören.

(Irmgard Erath)