Januar 2003 - im Jahr Drei nach Florian's Tod This love is unbreakable Through fire and flame When all this is over Our love still remains
Der Jahreswechsel liegt hinter uns. Deutlicher noch als in den beiden letzten Jahren ist mir bewußt geworden, daß diese neue Zeitrechnung eine tiefe innere Bedeutung für mich gewonnen hat: Mein Jahr beginnt am 1. Juli und mein Jahr endet an diesem Tag. Mit Florian's Tod begann eine neue Zeitrechnung und ich konnte es in diesem Jahr physisch spüren. Tage verlieren ihre Wichtigkeit, andere Tage sind Meilensteine in meinem Jahr: Florian's Geburtstag, Florian's Todestag. An ihren orientiere ich mich in diesem neuen Leben.. War ein Ereignis kurz vor oder kurz nach dem Todestag, dem Geburtstag? Als wir auf Florian's Grab die Worte legten: "Nichts wird jemals wieder so sein, wie es war".. war dies nur eine ferne Ahnung, heute ist es ein tiefes, nicht mehr zu leugnendes Wissen... und Tage wie diese, Weihnachten, Sylvester machen es schmerzlich deutlich.
William Shakespeare
Ich las ein Interview mit meinem Menschen (Erik Weihenmayer), der seit seinem 13. Lebensjahr erblindet ist... Er
hat den Mount Everest bestiegen und viele von den ganz hohen Gipfeln dieser Erde
Ich dachte an uns Trauernde, weil doch auch wir die Gipfel (der Trauer) erklimmen... und ich
weiß, daß man von anderen lernt - von Menschen wie ihm, mit seinem Schicksal. Und dann sagt er: "Wenn man das erst einmal verstanden hat, wird es auf eine merkwürdige Art doch einfach"....Auch wenn ich nicht sagen würde, es wäre "einfach" geworden, so haben mich diese vielen, unzähligen, mit dem Verlust gelebten Tage doch eines gelehrt: Trauer verändert sich. Trauer hat ihre eigenen Gesetzgebungen, Trauer muß erfahren und durchlebt werden. Zu trauern erfordert Mut und Vertrauen in die selbstheilenden Kräfte, die wir in uns tragen, jeder denke ich. Ich erkannte dass man Kraft in der Stille
erntet, und dass man gereinigt wird in der Stille. "Ich gebe mich diesen tiefen Gefühlen von Hilflosigkeit und Traurigkeit immer wieder hin, lasse zu, daß mein Herz bricht. Ich gebe mich hin im Vertrauen an etwas Größeres als mich selbst. Wenn wir dies wagen, werden wir auf eine besondere Weise beschenkt: wir können hinausschauen über unser persönliches Drama und uns wird ein größeres Bild von Ebbe und Flut des Lebens gezeigt. Ich habe eine tiefe Feierlichkeit und Freude erlebt, als ich sehen konnte, wie ich selbst ein Teil bin des natürlichen Zyklus von Veränderung. Transformation und Evolution sind Teil des Lebens.." (Ken Wolkoff "Das Unabänderliche umarmen") Auch diese Worte haben mich tief berührt, Spuren hinterlassen, wie so viele Dinge, die ich in dieser langen Zeit erfuhr. Menschen, die mir schrieben, Gedichte, Worte, Zeichen der Anteilnahme, für dich ich mich hier an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken möchte.
Selten ist ein Weg von Anfang bis Ende immer sichtbar Oft sehen wir nur den nächsten Schritt. Vielleicht würden wir sonst überwältigt sein von dem, was vor uns liegt. Unser Kurzsichtigkeit ist auch eine Gnade. So wird unsere ganze Kraft frei für den nächsten Schritt, für eine Aufgabe der Stunde und des Tages. Wir konzentrieren uns auf den Moment, der zu bewältigen ist, auf den Augenblick, der so viele Möglichkeiten in sich birgt, auf die Verwandlung des Schweren ins Leichte, auf das gefüllte Wort und die Bedeutung eines einzigen Blicks. Und am Ende des Tages, des Jahres, am Ende eines Lebensabschnitts, und am Ende des ganzen Lebens bilden die vielen Schritte einen unnachahmlichen Weg, der nur unseren Namen tragen konnte. (Ulrich Schaffer)
Januar 2003 Gabriele Gérard
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