|
Perlen in meiner Hand
Ich
wandere weiter
gebückter
mit deinem
Tod auf dem Rücken
Am Wegrand
die Erfrischungen
dieser
Welt
Den
Menschen zugewandt
tausche
ich fast alles ein
gegen
Augenblicke der Liebe
Perlen in
meiner Hand
gebe ich
dem Meer
nicht mehr
zurück
(Ch.
Knöpfle-Widmer) Berlin im Januar 2007
„ Es ist was es ist sagt die Liebe"
…. ist so weit reichend, so wahr,
immer wieder neu, so schwer und muss
- wie der gelebte Augenblick neu errungen werden. Und wenn unser Herz
überhaupt wieder liebend ausgreifen kann, ist das ein besonderes Geschenk.
Das
schätzen und lieben zu lernen, das
„geblieben ist“ – vielleicht ist
dies die wichtigste Erfahrung in meinem JAHR SIEBEN.
Der
Jahreswechsel – bedeutungslos. Das Jahr hat längst begonnen – an dem Tag,
„Living in
between…. Leben in der Zwischenweit“
Kürzlich
hatte ich - im Gespräch mit Florian - einen Gedanken, den ich sehr "spannend"
und bewegend finde. Ich habe ihn gefragt, warum ich mich so schlecht fühle im
Moment, so verletzbar, so schnell zu kränken.... und mich nicht "orten" kann,
auch nicht in Bezug auf meine Trauer... und mit einem Mal formte sich der
Gedanke in mir: "living in between"....und
ich habe es mit "Leben in einer Zwischenwelt" übersetzt... Ich glaube, dass dies
etwas sehr wichtiges für mich ist:
Ich habe
die Fragen - er die Antworten... so fühle ich mich in dieser Zwischenwelt.
Geh zu
deinem Rendez-vous mit dem Licht
Ohne uns –
ohne Angst –
Während
wir das Geheimnis durchfurchen
Das du
übersprangst!
Emily
Dickinson
Ich lese weiterhin Gedichte – und bin dankbar für ihre Tiefe und Weisheit:
Die Liebe
hat sich gewandelt:
Sie ist
nun unendlich zart
und doch
stark,
still
und
dennoch voller Lebendigkeit,
fern,
aber in
jedem Augenblick gegenwärtig,
sie ist
geheimnisvoll
und doch
ganz klar,
rein und
frei
von allen
Dingen dieser Welt.
Nun ist
daheim
in der
Geborgenheit des Herzens,
im Schutze
der Erinnerungen:
unantastbar,
unbesiegbar,
unverlierbar.
Irmgard
Erath
Eines der
schönsten Gedichte, die ich in all den Jahren fand!
Ich erinnere mich, mit welchem inneren Schwung ich früher gelegentlich durchs
Leben ging - mit wie viel Leichtigkeit und innerer Zuversicht. Das wird wohl nie
mehr so sein. Es ist schlicht unvorstellbar
- auch nicht gewünscht!
Nur eines wünsche ich mir: die tiefe Liebe weiter zu
Florian und zu meinen irdischen Lieben fühlen zu dürfen und dies –
vor allem, wenn ich an Florian denke - auch mit ruhiger Seele.
„This
ist the first day of the rest of your life – Dies ist der erste Tag des Restes
deines Leben“….
Ich
glaube, dass Trauernde sehr viel eher nach diesem Prinzip leben. Das Wissen um
die Endlichkeit des Lebens, die erlittene Erfahrung, die uns für immer verändert
hat.. Denn sich dem Leben zu stellen, heißt eben auch, sich seinem Tod zu
stellen und den Tod zu bejahen, heißt, die Vergänglichkeit seines Seins bewusst
anzunehmen.
Denn
Sterben bedeutet immer, dass eine alte Ordnung stirbt und eine neue entsteht –
und sei es nur das Nichts.
Nichts ist
für die Ewigkeit. Einzig das Werden und Vergehen unterliegt dem
Ewigkeitsprinzip. Unser Leben – ist leben auf Zeit, gestundete Zeit, in der es
nicht immer leicht fällt, zu erkennen, ob wir Dinge selbst bestimmt ändern
können oder ob wir hinnehmen müssen, weil wir sie eben nicht ändern können.
Aufhebung
Sein Unglück Erich Fried
|
|
Berg der Trauer
Trauer ist wie die Besteigung eines hohen Berges... Wir stehen zunächst atemlos vor dieser Aufgabe, die uns so aussichtslos erscheint. Wie sollen wir auch nur die ersten Schritte tun. Wir haben kein Werkzeug, wir haben nicht als unsere Hände. Wir nehmen das, das am nahesten liegt: Sand und türmen ihn aufeinander --- sinnlos, er rinnt uns durch die Hände, der kleine Hügel, der entsteht, sinkt immer wieder in sich zusammen - sie ein Sinnbild für uns selbst. Nein, wir haben keinen Plan, niemand, der uns sagt, wie man den Berg der Trauer erklimmt. Wir haben nur das Wissen, dass Tausende in diesem Moment vor der gleichen Aufgabe stehen, dass Millionen diese Berge bezwungen haben. Es gibt keine Baumeister, keine Architekten, nichts Allgemeingültiges und das, was wir lesen, was man uns sagt, was wir hören - es scheint uns so fremd, so weit weg von dem fassungslosen Schmerz in dem wir gefangen sind... "Laßt mich alleine mit dieser Aufgabe" - dies waren meine Gedanken. Wenn ich nicht selbst einen Weg finde, werde ich hier am Fuße des Berges in meiner Trauer und meinem Leid verharren". Der, nachdem all meine Sehnsucht schreit, kann seine Hand nicht ausstrecken, er ist nicht mehr. Die Hände, die mir gereicht werden, sie können mich nicht tragen, viel zu schwer bin ich, viel zu groß ist das, was mir widerfahren ist... Niemand, der wirklich ermessen kann, welche Aufgabe vor mir liegt. Meine Besteigung des Berges der Trauer begann damit, Steine zu suchen: kleine Steine, große Steine, runde und eckige - und ich gab diesen Steinen Namen wie "Hoffnung" "Zuversicht" "Loyalität" "Liebe" "Verbundenheit" "Treue" "Glauben" "Freundschaft". Der letzte Stein, den ich bisher benannt habe, ist der Stein der "Zukunft". Mit diesen Steinen habe ich begonnen, einen Weg zu legen - Stein für Stein unter meine Füße und diese Steine tragen. Ich weiß nicht, was geschieht, wenn ich um die nächste Biegung des Berges komme, was auf mich wartet - aber ich habe meine Besteigung begonnen und ich setze sie fort: Ich habe keine Hast und Eile mehr. Ich habe in den Jahren erfahren, dass die Besteigung des Berges der Trauer ein ganzes Leben braucht! Manchmal wird mir ein Stein geschenkt: die Steine der "Anteilnahme" des "Mitgefühls" der "Empathie" - dies sind große Steine - und sie fügen sich in die meinen ein und ebnen manch kleine Strecke, die ohne sie viel mühsamer geworden wäre. Es gibt auch Steine, die mir in den Weg gelegt werden: Steine des "Unverständnisses" der "Missachtung" Steine der "Ungeduld" , der "Ignoranz",und sie erschweren den Weg, den ich muss sie aus den restlichen Steinen herausfiltern und sie an die zurückgeben, die sie mir in den Weg warfen. Es gibt auch den Stein der "Hilflosigkeit". Dies sind kleine Steine, die ich am Weg liegen lassen kann. Über sie falle ich nicht. Lasst mir meinen Weg. Lasst Trauernden ihre Wege. Jeder muss seine Steine suchen, benennen und mit ihnen seinen ganz individuellen Pfad bauen. Schenkt uns die kleinen Steine des "Mitgefühls", denn sie tragen uns ein Stück weiter und für sie sind wir dankbar. Gedanken am Muttertag, Mai 2006
Gabriele Gérard Januar 2007 |