Wir
verändern uns nicht mit der Zeit, wir entfalten uns nur
(Max
Frisch)

Trauer
kann man nicht überwinden
wie einen Feind
Trauer kann man nur verwandeln:
den Schmerz in Hoffnung
die Hoffnung in tiefes Leben
Sascha Wagner
„Schreiben oder erzahlen, um nicht zu sterben, ist eine Beschäftigung, die so alt ist wie das Wort” hat Michel Foucault einmal erklärt. Erzählen? Wem? Wer erzählt, braucht einen Adressaten, und sei es in der Imagination. Erst durch den Andren wird Sprache zur Mit-Teilung entlastet, entfaltet Wirkung, kann neue Dynamik in Gang setzen, Bilder im Inneren produzieren, Positionen schaffen, Empathie möglich machen. Wenn wir einander erzählen, verstehen wir einander. Ein Allheilmittel für die Gesellschaft ist es nicht, aber es bringt voran….“
Diese Zeilen las ich bei Isabel Allende und sie haben mir noch einmal den Schlüssel zur Arbeit an dieser Seite gegeben. „Schreiben um nicht zu sterben“ – und ein Echo zu erhalten, Empathie möglich machen – dies ist das, was mit dieser Seite geschieht und heute möchte ich versuchen, meine Gedanken im Jahr Neun zu ordnen und zu Papier zu bringen.
Lebendig
ist, wer wach
bleibt
Sich dem anderen schenkt
Das Bessere hingibt
Niemals rechnet
Lebendig ist, wer das Leben liebt
Seine Begräbnisse, seine Feste
Wer Märchen und Mythen
auf den ödesten Bergen findet
Lebendig ist, wer das Licht erwartet
in den Tagen des schweren Sturms
Wer die stillen Lieder
ohne Geschrei und Schüsse wählt
Sich dem Herbst hinwendet
und nicht aufhört zu lieben
Luigo Nono
Ich schreibe, um lebendig zu bleiben, schreibe, um gegen das Vergessen anzukämpfen und um meine Wurzeln zu nähren, die sich nicht mehr an irgendeinem geografischen Ort befinden, sondern in der Erinnerung. Die Trauer ist nicht nur eine Emotion des Abschieds, sondern eine Form der schmerzenden Liebe, die in einer neuen Form der Beziehung zu Florian weiterlebt.

„Ich
glaube, es ist jetzt Zeit, dass die Leute wissen,
dass der
Tod gar nicht existiert,
wenigstens
nicht so,
wie wir uns
das vorstellen“
Elisabeth Kübler-Ross
Mir ist in
den letzten Jahren immer klarer geworden, dass mein Verlust nicht
einzigartig
ist, dass ich ihn mit Millionen von Müttern und
Vätern teile
– der älteste und alltäglichste Schmerz
der Menschheit! Aber auch
nach so vielen Jahren ist die Trauer noch immer wie sie war: man muss
nur ein
wenig an der Oberfläche kratzen und schon bricht sie hervor,
frisch wie am
ersten Tag.
Es ist
schwer, Menschen zu erklären, dass in dieser Tatsache auch ein
großes Geschenk
liegt: das der Nähe. In der ganz tiefen Trauer ist diese
Nähe spürbar und die
Verbundenheit, die im Alltag an den Rand gedrängt werden,
damit wir überleben
können.
Wenn
ich Eltern, die sich an mich wenden und mir vom Tod ihrer Kinder
berichten
, schreibe, sie sollen für den Schmerz, der sie zu Boden
wirft, „dankbar“ sein,
dann muss es in ihren Ohren wie Hohn klingen – und erst
später können sie
verstehen, was ich damit meinte.
Nie mehr
sind die Bilder so nah, die Stimme noch so laut in uns, der Geruch in
unserer
Nase so deutlich… Die Zeit nimmt uns vieles davon weg und
ich erlebe dies, was
natürlich eine Gnade ist, auch als unendlichen Verlust!
Nicht
alle Schmerzen sind heilbar, denn manche
schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.
Du
sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.
Der
Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.
Ricarda Huch
….“Der
Schmerz ist etwas Merkwürdiges, er ist wie eine notwendige
Lehre. Ohne Schmerz
können wir nicht richtig wachsen. Am Anfang wehrt man sich
dagegen, strampelt,
kämpft, leugnet, begehrt auf, ärgert sich, aber der
Schmerz ist zäh und gewinnt
am Ende immer.
Wenn
du stark bist und Glück hast, zwingt er dich in die Knie,
lässt dich aber nicht
zerbrechen. Irgendwann nimmst du ihn an, begreifst langsam, dass es
keinen
anderen Weg gibt und dass Du diesen Kelch bis zur Neige leeren musst.
Du bist
in einem ganz tiefen Loch angekommen, und dann stampfst du einmal auf
und
fängst an, dich wieder nach oben zu
arbeiten…..“
Lehnen wir den Schmerz ab, wird er nur umso
größer. „Wenn ich mich öffnen und
ihn wie ein Schwamm aufnehmen könnte, ohne
ihm Widerstand entgegenzusetzen, würde er bis in den letzten
Winkel meines
Körpers vordringen und sich dann allmählich wieder
zurückziehen. Er würde viele
Blessuren, Narben und Erinnerungen hinterlassen, aber er würde
wieder gehen……“
Isabel Allende

Ich denke, meinen eigenen Weg gefunden zu haben, aber ich lese und suche immer wieder die Gedanken anderer Eltern verstorbener Kinder. Vieles berührt mich sehr, ich finde meine eigenen Gedanken dort in andere Worten gekleidet.
Wilhelm
von Humboldt über den Tod seines Sohnes Wilhelm
Brief an Friedrich Schiller August 1803
„Sein Tod war sanft, er … litt nicht und ahnte nichts. …Ich habe mit diesem Kinde unendlich viel verloren. Unter allen, die ich habe, war er am liebsten um mich;…Das ist nun alles dahin, und wohin? Gegangen. Dieser Tod hat mir auf der einen Seite alle Sicherheit des Lebens genommen. Ich vertraue nicht meinem Glück, nicht dem Schicksal, nicht der Kraft der Dinge mehr. Wenn dies rasche, blühende, kraftvolle Leben so auf einmal untergehen konnte, was ist dann noch gewiss? Und auf der anderen habe ich wieder auf einmal so eine unendliche Sicherheit mehr gewonnen. Ich habe den Tod nie gefürchtet und nie kindisch am Leben gehangen, aber wenn man ein Wesen tot hat, das man liebte, so ist die Empfindung durchaus verschieden. Man glaubt sich einheimisch in zwei Welten.“
Und aus
Isabel Allende:
„..Einmal
habe ich gesagt, nach deinem Tod ich hätte nun vor nichts mehr
Angst, aber das
ist nicht wahr, Paula. Ich fürchte mich davor, Menschen, die
ich liebe, zu
verlieren oder leiden zu sehen, fürchte den Verfall des
Alters, die wachsende
Armut, die Gewalt und Korruption in der Welt. In diesen Jahren ohne
dich habe
ich mit meiner Trauer zu leben
gelernt,
habe sie zu meiner Verbündeten gemacht. Nach und nach werden
deine Abwesenheit
und andere Verluste meines Lebens zu einem sanften
Sehnen…..“ „
Ich möchte meinen Zorn in Kreativität
verwandeln und meine Schuldgefühle in ein augenzwinkerndes
Eingeständnis meiner
Schwächen; ich möchte den Hochmut und die Eitelkeit
fortwischen…“

Auch,
wenn
ich gelernt habe, mit der Abwesenheit von Florian zu leben, so bleibe
ich unendlich
traurig darüber, dass Florians Existenz auf
dieser Welt so greifbar ist, während er unsichtbar bleibt -
nicht mehr mit der
Materie verbunden. Und ich spüre zugleich, wie dünn
der Vorhang zwischen den
Welten ist - brüchig wie alte Spitze. Zugleich empfinde ich es
als eine so
große Gnade, die Nähe der Welten so sehr
spüren zu können - wissend, dass mir
diese Gnade nicht häufig gewährt wird. Es macht diese
Momente zu etwas ganz
Besonderem und ich fühle mich - bei aller Trauer und aller
Sehnsucht, die in
mir aufsteigt - von Florian reich beschenkt.
Ein
wunderschönes Gedicht schickte mir Kerstin zu Florians
30igstem Geburtstag:
Wer
wärst Du heute?
Wenn
ich an Dich denke,
dann
denke ich Dich so,
wie
Du früher warst.
Eine
lange Zeit ist vergangen
Und
ich frage mich:
Wer
bist Du heute?
Dich
im Konjunktiv zu denken,
kommt
mir wie ein Verrat an meiner Liebe vor.
Wer
wärst Du heute?
Das
ist, als seiest Du nicht.
Doch
Du bist,
immer
stärker,
immer
fester,
ein
Teil von mir,
den
ich nicht vergessen,
nicht
aufgeben,
nicht
loslassen und vor allem nicht
leugnen
will.
Du
bist – jeden Tag und jede Minute –
der
Teil von mir, der mich, so wie ich heute bin, ausmacht.
Du
WÄRST nicht – Du BIST, jeden Tag, ganz nah bei mir.
Dies ist
das letzte Foto, das es von Florian und mir gibt. Es wurde wenige Tage
vor
seiner Abreise aufgenommen und noch immer bin ich tief
berührt, wenn ich es mir
ansehe: es ist als wäre in diesem Foto das bereits enthalten,
was nur einige
Tage später geschah: mein fragender Blick –
„Warum, Florian“.. und seine Geste
der Hilflosigkeit, der Schmerz in seinem Gesicht: „Ich habe
keine Wahl, Mom“…
ein unglaubliches Foto!
Sie
werden gerufen
und sind gegangen. Wir müssen mit unserer Sehnsucht leben und
sie ihren Weg
gehen lassen. Gibt es wohl einen größeren Beweis der
Liebe, als den, dass wir
weiterleben, uns weiter erinnern und nicht aufgeben?
Ich fand ein paar Aufzeichnungen, die ich während meiner Tage an der See festhielt:
Was hat mir das Wasser zugeflüstert, woran hat es mich erinnert? Was hat es mich gelehrt?
Demut
Meine
Spuren im Sand verändern diesen Ort für einen Moment
– die nächste Welle nimmt
sie mit … Dies ist Sinnbild für die
Vergänglichkeit, dafür wie klein und
unwichtig wir sind – und nur das Immaterielle, das
Spirituelle wird uns
überleben. Unser Körper verlischt wie diese Spuren im
Sand.
Achtsamkeit
Ich habe meine Wege oft so gewählt, dass ich nicht daran dachte, dass ich sie in beide Richtungen gehen muss. Hatte ich auf dem ersten Weg die Sonne im Rücken und den Wind, der mich unterstützend begleitete, so geschah es, dass ich den Rückweg unter sehr beschwerlichen Bedingungen antreten musste. Manchmal hatte sich das Wetter verändert, die Sonne hinter einer Wolke versteckt und der Wind war zu einem Sturm geworden, gegen den ich mich anstemmen musste. Auch dies ein Sinnbild für den Trauerweg:
Wir leben unsere Leben nie mehr nur in eine Richtung – immer leben wir auch „rückwärtig“, denn dort ist das Leben, das wir mit unseren Kindern leben durften.
Deshalb müssen Trauernde besonders achtsam mit sich sein.
Dankbarkeit
Das
gemeinsam Erlebte, die gemeinsame Zeit sie bleibt. Jede Minute ist in
mir,
jedes Wort trage ich mit mir, auch, wenn ich es nicht erinnere. Daran
glaube
ich. Wir sind nur ein einziger Geist in von einander getrennten
Körpern.
Auch, wenn
die Erinnerung oft schmerzhaft ist und auf meiner Seele ein Schluchzen
liegt
kann ich mehr und mehr mit einem Lächeln auf meinem Gesicht an
Florian denken: Es hat ihn,
diesen wundervollen Sohn, gegeben – ich war und bleibe seine
Mutter. Dafür bin
ich bis an das Ende meiner Tage voller Dankbarkeit.
Die
Traurigkeit ist eine zweite Haut geworden, sie geht nicht wieder weg
und ohne
sie wäre ich nicht, wer ich bin und würde mich im
Spiegel nicht wieder
erkennen.
Was bleibt,
ist die Spur, die Florian hinterlassen hat – sind vor allem
auch seine Briefe,
in denen ich immer wieder lese. Es ist das schönste Geschenk,
das ich je
erhalten habe und
der größte Trost in
meiner Trauer, denn in diesen Briefen kann ich lesen, dass Florian ein
glücklicher Mensch war und dass ich eine bessere Mutter
für ihn war, als ich es
zu sein glaubte!
Diese Worte, die ich „anfassen“ kann, sie helfen mir, zu akzeptieren, dass Florians Körper nicht mehr anwesend ist und meine Beziehung zu ihm nur in der Erinnerung und der Spiritualität besteht.
Ich habe in den Neun Jahren gelernt, dass das einzig Wichtige die Liebe ist. Florian hat in seinem kurzen Leben Liebe gesät und nun erntet er sie für sich und auch für mich. Es ist unendlich bewegend für mich, zu lesen, wie viele Menschen meinen Sohn lieben!
Und
manchmal, während wir so
schmerzhaft reifen, dass wir
beinahe daran sterben, erhebt
sich aus
allem, was wir nicht
begreifen, ein Angesicht - und sieht
uns strahlend an.
Rainer Maria Rilke

Weihnachtlicher Besuch mit Lion an Florians Grab
Für Lion, unseren geliebten kleinen Enkel, sind alle Engel, die er auf Bildern sieht „Florian“! Er und Malia, unsere kleine Prinzessin, werden mit Florian groß, sprechen über ihn und nehmen ihn mit in ihr Leben. Dies ist ein wunderbares Geschenk, das mir dieses Leben macht und ich begleite diese beiden Kinder mit großer Liebe und Dankbarkeit!
Wenn ich für das Jahr Neun ein Fazit ziehen sollte hieße es:
Die Kunst des Lebens heute besteht darin, das, was geblieben ist, anzunehmen und nicht am Verlust dessen, was wir verloren haben, zu messen!
Ich glaube, dass, wenn wir soweit in unserer Erkenntnis und Erfahrung sind, wenn wir Dankbarkeit für das, was wir hatten und was uns blieb, empfinden können, dann erst sind wir in der Lage, das Erfahrene, Erlittene weiterzugeben und positiv umzusetzen in Hilfe und Unterstützung anderer.
So habe ich das Projekt „Garten der Sternenkinder“ auf unserem Friedhof im vergangenen Jahr (mit großer Unterstützung) ins Leben rufen können und somit für Eltern von still geborenen Kindern einen Ort der Trauer und der Begegnung ermöglicht.
Aus Presseberichten:
" Ein Zaun aus Figuren spielender Kinder, eine Terrakotta-Figurengruppe und der Aronia-Baum in der Mitte kennzeichnen den Garten der Sternenkinder mit 80 Grabstellen. Die Fläche ist mit Pflanzen umrandet. «Hier wachsen Frauenmantel, Vergißmeinnicht und der Milchstern, dessen Blüten wie Sterne aussehen», erklärt Heilpflanzenkundler Olaf Tetzinski. Die Pfingstrosen habe er gepflanzt, weil man deren Samen den Säuglingen früher als Schutzamulett umlegte. Auch die Erdbeere ist symbolisch. «Schon der römische Dichter Ovid hat Erdbeeren als Speise der früh verstorbenen Kinder bezeichnet.»
Der «Garten der Sternenkinder» soll Trost spenden und ein Ort derBegegnung sein. «Die Eltern sollen spüren, dass sie nicht allein sind», sagt Gérard, die eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin macht. Auch sie hat ihren Sohn verloren. «Aber ich hatte das Glück, dass ich 23 Jahre mit ihm leben durfte. Ich habe Erinnerungen an ihn, hab sein erstes Lachen, seine ersten Schritte erlebt.» Die Eltern der Sternenkinder haben nicht einmal das….. "

Garten der Sternenkinder
Aus meiner Rede anlässlich der Einweihung des „Garten der Sternenkinder“ am 20. April 2008
"Ein
Sternenhimmel fasziniert seit Urzeiten die Menschen.
Staunend stehen sie vor der Weite und Offenheit des Weltalls. Der
Schein der
zahllosen Sterne hellt die weite Finsternis auf und bietet
Orientierung. -
Sterne zeigen Himmelsrichtungen an, sie erleichtern dem Suchenden, den
eigenen
Standort herauszufinden; sonst wäre der Mensch hoffnungslos
verloren in der
grenzenlosen Dunkelheit der Nacht.
Wenn
nun ein Mensch mit Sterben und Tod eines von ihm geliebten
Kindes konfrontiert wird, kann es im Leben zeitweise finstere Nacht
werden. Etwa 16.000
Kinder und
Jugendliche sterben in Deutschland jedes Jahr einen in jeder Hinsicht
unerwarteten und plötzlichen Tod. Die meisten bereits kurz
vor, während und
nach der Geburt.
Fragen
über Fragen türmen sich in solchen Fällen
auf, die nach
Antwort und Orientierung suchen. Der Blick in den Sternenhimmel gibt
dem
Betrachter Orientierung und Halt. Je stärker man diesen Himmel
auf sich wirken
lässt, desto intensiver erstrahlt das Licht für ihn -
und Licht ist
Hoffnung...."
(„Sterne in der Nacht“ – Rainer Krockauer )
„Sternenkinder“ nennen wir jene Kinder, deren Leben so kurz war wie das Leuchten einer Sternschnuppe. Kinder, bei denen Lebensanfang und Lebensende zusammenfallen. Sie hatten nie die Chance, ihre Eltern kennen zu lernen, behütet aufzuwachsen. Ihr Leben verlöscht, noch bevor es beginnt. „Sternenkinder“ sind Kinder, die keinem Begräbniszwang unterliegen und für sie soll gelten, was für jeden anderen Menschen gilt: die Selbstverständlichkeit einer würdevollen Beisetzung und ihren Eltern soll die Möglichkeit gegeben werden, diesen Abschied weitgehend selbst zu gestalten.
Der Tod von ungeborenem Leben ist für alle Angehörigen eine außergewöhnliche Lebenssituation.. Mütter, Väter, Geschwister und Großeltern, für sie alle ein Schock und tiefe Trauer. Sie haben nicht nur ihr Baby, sondern auch Hoffnungen, Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen, die sie mit diesem Kind verbunden haben, verloren.
Auch für Menschen, die Betroffene in dieser Situation begleiten, entstehen ganz besondere Belastungen. Alle gewöhnlichen Erfahrungen und Rituale unserer Trauerkultur funktionieren hier oft nicht und die Betroffenen stehen oft großer Hilflosigkeit und Unverständnis über die tiefe Trauer gegenüber. Um so wichtiger für sie einen angemessenen, würdevollen Ort zu finden, an dem ihr „Sternenkind“ beigesetzt werden kann.
Der „Garten der Sternenkinder“ soll aber auch Eltern von Babys offen stehen, die um die Geburt oder bis einschließlich 12. Lebensmonat – versterben sind.
Kurz nach der Gründung von EFEU e.V. entstand die Idee und der Wunsch, auf diesem – im Herzen Berlins liegenden Friedhof – für Eltern die Möglichkeit zu schaffen, ihr Kind in einem Einzelgrab – aber in einer gemeinsamen Grabanlage beisetzen zu können und für sich selbst einen Ort der Trauer und des Gedenkens zu haben. (www.efeu-ev.de)
Im Garten der Sternenkinder wurden in den letzten Wochen bereits zwei still geborene Babys beigesetzt: eines muslimischer und eines deutscher Herkunft. (Anm. Zwischenzeitlich haben 15 Babys ihre letzte Ruhe dort gefunden).
Ich selbst bin Mutter eines viel zu früh verstorbenen Sohnes, der – nur einen Steinwurf entfernt – von diesem „Garten der Sternenkinder“ liegt. Sein Tod und meine Trauer sind Motor für die Umsetzung des Projektes gewesen und meine Arbeit habe ich Florian im Gedenken gewidmet.
Dass ich heute diesen „Garten der Sternenkinder“ seiner Bestimmung übergeben darf, ehrt mich und berührt mich sehr.
Trauer ist ein schwer auszuhaltender Prozess, der dennoch Wachstum hervorbringt. Vielleicht wird man die Erinnerung daran eines Tages tragen wie an einen Edelstein: „das habe ich erlebt, das habe ich bewältigen müssen, das habe ich geschafft“ – und es ist mir gelungen, mit dieser Trauer für andere Trauernde etwas zu bewirken.
Es
ist wichtig,
Menschen zu finden, die Verständnis haben, die die Trauernden
ernst nehmen und somit
helfen ihnen wieder einen Weg ins Leben zu eröffnen. Dies ist
in diesem Projekt
„Garten der Sternenkinder „
beispielhaft geschehen und
dafür danke ich noch einmal allen, auch und nicht zuletzt den Freunden
von
EFEU e.V., die an unterschiedlichster Stelle an diesem Projekt
mitgewirkt
haben. …..Wir alle von EFEU e.V. werden diesen Ort stets im
Auge haben, ihn
weiterhin begleiten, hegen und pflegen……
(http://de.youtube.com/watch?v=k-Dy8n4Zj3k)

Die Liebe...
Die
Liebe hemmet nichts.
Sie kennt nicht Tür noch Riegel
und dringt durch alles sich;
sie ist ohn Anbeginn,
schlug ewig ihre Flügel
und schlägt sie ewiglich.
Berlin, 23. Januar 2009