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Solang mein Herz schlägt, ist darin dein Grab
Vorüber ist nicht vorüber Es wächst weiter in deinen Zellen ein Baum aus Tränen oder vergangenem Glück
(Rose Ausländer) *****
Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf. Ich bin nicht tot, Ich tausche nur die Räume. Ich leb in euch und geh in eure Träume Da uns, die wir vereint Verwandlung traf. Ihr glaubt mich tot, Doch dass die Welt ich tröste Leb ich mit tausend Seelen dort An einem wunderbaren Ort Im Herz der Lieben. Nein, ich ging nicht fort, Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste
(nach Michelangelo)
Wie ich Dich liebe **********
Was heißt Sterben?
I carry you with me a ghost inside ****
Jeder Abschied erinnert mich an Deinen Abschied:
Ad Infinitium Alle die fortgehen Durch die Glastür auf Rollfeld Durch die Bahnhofssperre Die sich umdrehen winken Deren Blicke zu Boden sinken Deren Gestalten Langsam undeutlich werden Alle sind du. Du steht bei mir Wendest dich ab gehst fort Wirst kleiner und kleiner Seit wann Seit den Tod mir am Halse hing Mir die Kehle zudrückte Stehst Du immer wieder bei mir Wendest dich ab gehst fort Den Bahnsteig entlang Rollfeldüber Wirst kleiner und kleiner Stehst da Wendest dich ab Gehst -
(Marie Luise Kaschnitz)
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Engel-Nächte Der
Engel in der Nacht bringt
Licht ins Dunkle macht
die Finsternis hell. Er
zieht durch meine Träume und
löst mir die Fesseln, wenn
ich laufe und nicht weiterkomme. Er
beruhigt, wenn ich unruhig durch die Nacht hetze. Er
fängt mich auf, in
meinen tiefsten Tiefen wenn
ich falle und die Abgründe bis
in die Ewigkeiten reichen. Er
streicht mit seinen Flügeln und
sanften Händen über
meine Sorgenfalten. Er
entfaltet meine Gedanken jede
Nacht auf´s neue. In
meinem Gesicht kannst du es ablesen. Der
Engel der Nacht hat
mich umfangen und
entfaltet. Ich
bin wie
neu geboren. (Michael Blum)
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Du lächelst um nicht zu weinen. Du lächelst, als würden lange noch die guten Tage scheinen. Deine Flügel glänzten wie junge Blätter. Dein Gesicht war ein großer Stern.
Seitdem Du gestorben bist, danke ich jedem vergehenden Tag. Jeder vergangene Tag bringt mich dir näher. (Hans Arp) **************************
Für meinen Mann am 24.12.2001 Der Erde Antlitz Der Erde Antlitz ist verwandelt, seitZuerst ich deiner Seele Tritt vernommen! Ganz leise, leise bist du nah gekommen Und stellt'st dich zwischen mich und alles Leid, Du stellst dich zwischen mich auch und den Tod, Da du den Tod durch Liebe überwunden! In neuem Rhythmus ist mein Sein gebunden Und selbst der Kelch der Schmerzen, den mir Gott Zu kosten gab, mir süss und lieblich scheint, Seit ich dich habe! Meine Heimat ist, Mein Himmel, mein Geliebter, wo du bist, Weil, bist du bei mir, nah und fern sich gleicht. Und meine Lieder sind mir nur noch wert, Weil stets dein Name darin wiederkehrt.
(Elisabeth Barrett-Browning)
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Einssein Im Augenblick, in dem ich sterbe, will ich versuchen, zu dir so schnell ich kann zurückzukehren. Ich verspreche, es dauert nicht lang. Stimmt es nicht, dass ich bereits jetzt bei dir bin, da ich jeden Augenblick sterbe? Jeden Moment kehre ich zu dir zurück. Schau nur hin und fühle meine Anwesenheit. Wenn du weinen möchtest, so weine nur. Und du sollst wissen, ich weine mit dir. Die Tränen, die du vergießt, werden uns beide heilen. Deine Tränen sind auch meine. Die Erde, auf der ich heute morgen gehe, transzendiert die Geschichte. Frühling und Winter sind beide da in diesem Augenblick. Das junge und das abgestorbene Blatt sind wirklich eins. Meine Füße berühren Todlosigkeit, und meine Füße gehören dir. Geht jetzt mit mir. Laß uns eintreten in die Dimension des Einsseins und den Kirschenbaum im Winter blühen sehen. Warum sollten wir über den Tod sprechen? Ich brauche nicht zu sterben, um wieder mit dir zusammenzusein. (Thich Nhat Hanh) *****
Indianisches Gedicht Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt
verdienst. Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du es wagst, davon zu träumen, das Sehnen deines Herzens zu
erfüllen. Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskieren willst, wie ein Verrückter
nach Liebe zu suchen, nach deinen Träumen, nach dem Abenteuer, lebendig zu sein.
Es interessiert mich nicht, welche Sterne deinen Mond kreuzen. Ich will wissen, ob du das Zentrum deines eigenen Kummers berührt
hast, ob du geöffnet wurdest durch die Treuebrüche oder verwelkt und
verschlossen aus Angst vor weiterem Schmerz. Ich will wissen, ob du in Schmerz sitzen kannst, deinem oder
meinem, ohne dich zu bewegen, um ihn zu verbergen, zu schmälern oder zu fixieren. Ich will wissen, ob du in Freude sein kannst, deiner oder meiner; ob du ausgelassen tanzen und die Ekstase dich füllen lassen kannst
bis zu deinen Finger- und Zehenspitzen, ohne dich in Vorsicht zurückzunehmen, realistisch zu sein oder die Schranken des Menschseins zu erinnern. Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst,
wahr ist. Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst, um dir selber treu zu bleiben, ob du die Anklage eines Treuebruchs aushalten kannst, ohne deine eigene Seele zu betrügen. Ich will wissen, ob du vertrauen und deshalb auch vertrauenswürdig
sein kannst. Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, selbst wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du die Quelle deines Lebens in Gottes Gegenwart finden
kannst. Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem oder
meinem und immer noch am Ufer des Sees stehen und dem silbernen Vollmond zurufen kannst: „Ja!“ Es interessiert mich nicht zu wissen, wo du lebst oder wie viel
Geld du hast. Ich will wissen, ob du, matt und zerschlagen nach einer Nacht in
Kummer und Verzweiflung, aufstehen kannst und tun, was für die Kinder nötig
ist. Es interessiert mich nicht, wer du bist, wie du herkamst. Ich will wissen, ob du mit mir im Zentrum des Feuers stehen kannst ohne zurückzuschrecken. Es interessiert mich nicht, wo und was und mit wem du studiert
hast. Ich will wissen, was dich von innen stützt, wenn alles andere wegfällt. Ich will wissen, ob du mit dir selber allein sein kannst und ob du
wahrhaftig die Gesellschaft deiner leeren Augenblicke liebst. (Oriah Mountain Dreamer Indian Elder)
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